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Vom Dancefloor auf die Yoga-Matte: Victor Thiele von yogafürdich im Porträt

Blog-Eintrag   •   Jul 25, 2016 17:30 CEST

Victor Thiele, 43, war früher ein typisches Techno-Kid, jobbte in einem Skaterladen, arbeitete als Retailstoremanager, dann als Model in Berlin.

Heute ist Victor Yogalehrer, immer noch in Berlin, wo er zwei Yoga-Studios unter dem Namen yogafürdich betreibt.


Victor, was hat dich auf die Matte verschlagen?

Anfang 2000 habe ich in einem Fitness Studio Yoga ausprobiert, war begeistert und habe einfach weitergemacht. Durch viel Stress im Job als Storemanager einer italienischen Jeansmarke habe ich angefangen zu meditieren und ich merkte schon nach einigen Tagen, dass es mir mental viel besser ging.

Nach dieser jahrelangen Tätigkeit am Ku’damm wurde mir eine Ausbildung zum Sport- & Fitnesskaufmann vom Arbeitsamt finanziert. Dadurch ging ich für ein halbes Jahr zu Yoga Vidya, einem Seminarhaus in Bad Meinberg. Dort absolvierte ich ein Praktikum und kam das erste Mal in den Genuss regelmäßig Yoga und Meditation zu praktizieren. Während meines Aufenthalts dort habe meine erste Yoga Trainer Ausbildung bei Yogihari aus Florida besucht.

Wann war dir klar, dass du wirklich unterrichten willst?

Schon während der Ausbildung. Nach meinem Abschluss habe ich angefangen, in einem Wellness-Studio zu unterrichten und habe Freunde und Bekannte privat unterrichtet. Bereits damals war das Interesse an Yoga riesig.

Nach dem ich zwei Jahre auf Mallorca gelebt habe, fing ich in Berlin an, in Fitness-Studios Yoga zu unterrichten. Mir wurde schnell bewusst, dass ich mit meiner ersten Ausbildung zum Yoga Trainer schnell an meine Wissensgrenzen stieß, denn viele der Übenden hatten körperliche Probleme und Einschränkungen, auf die ich nicht eingestellt war. Aus diesem Grund habe ich mich intensiv mit Anusara Yoga beschäftigt, um mich in Sachen Ausrichtung von Knochen, Gelenken, Muskeln in den Yoga-Posen weiter zu qualifizieren. 2006 lernte ich Patricia Thielemann von Spirit Yoga kennen, nachdem ich oft von Adam Rice (ebenfalls Spirit Yoga) unterrichtet wurde. 2006/2007 habe ich dort die 200 Stunden Spirit Yoga Ausbildung absolviert, weitere Zusatzausbildungen im Bereich Yoga und Meditation kamen dazu.

Offensichtlich hast du das yogische Motto „Go with the Flow“ schon immer ein Stück weit befolgt. Wo hat es dich danach hingespült?

Hingespült würde ich das nicht nennen. Nachdem ich mich entschieden hatte, meinen Lebensunterhalt mit der Yogalehrertätigkeit zu verdienen, merkte ich schnell, dass ich einen größeren Plan brauche, um davon leben zu können. Also habe ich ganz klassisch angefangen, in einem gemieteten Yoga-Raum eigene Klassen zu unterrichten. Dass zu der ersten Yogastunde dort gleich 15 Leute kamen, hat mich total überrascht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich im März 2004 im Schneeregen durch die Strassen Kreuzbergs lief und meine Flyer verteilt habe. Damals haben sich andere Yogalehrer-Kollegen immer über mich lustig gemacht, wegen der Flyer. Aber ich hab’ einfach immer weiter verteilt.

Im Laufe der Zeit kamen weitere Stunden, Tage, Räumlichkeiten dazu. Nach ein paar Jahren nahm ich dann noch andere Lehrer/innen mit ins Boot. yogafürdich wurde stetig größer und bekannter und so war es eine natürliche Entwicklung, eigene Studios zu eröffnen.

Inzwischen hast du zwei Studios in Berlin, eins in Kreuzberg und eins in Friedrichshain. Hand auf’s Herz, bist du ein bisschen stolz darauf?

Mit dem Stolz ist das so eine Sache... Was ich sagen kann ist, dass ich sehr dankbar für diese Entwicklung bin. Und besonders den vielen Yogis, die yogafürdich über die Jahre treu geblieben sind.

yfd Studio Friedrichshainyfd Studio Kreuzberg







Du  hast zusammen mit deiner Kollegin Katja Hartmann das erste Wüsten-Retreat der ersten Saison für NOSADE unterrichtet. Was macht ein Retreat für dich aus und was sind die fünf Punkte, die du von diesem Retreat für dich mitnimmst?

Yoga-Retreats sind etwas ganz besonderes. 5 Tage in der Wüste ohne Internet und Telefon, da lernen sich Schüler und Lehrer noch mal ganz anders und viel intensiver kennen. In all der Zeit konnte ich mein Wissen aus der Yogawelt weitergeben und auch Erfahrungen aus anderen Lebensbereichen teilen, aber auch die Yogis und deren Motivationen Yoga zu üben besser verstehen – das ist einfach was sehr schönes!

Was ich von unserem Wüsten-Retreat mitnehme:

1. Das Empfinden von Stille und Wind. Beides fand ich in der Wüste super angenehm und anders, obwohl mein Rückzugsort hier in Berlin auch sehr ruhig und still ist.

2. Dankbarkeit für fließend Wasser und Strom. Und hohe Decken - damit ich nicht ständig meinen Kopf stoße (Victor mit seinen 1,86 m lacht)

3. Wertschätzung gegenüber so vielen Dingen, die wir haben und nutzen können und eine relativierte Sicht, in welchem Luxus wir eigentlich in Deutschland leben. Uns geht es hier echt gut!

4. Vertrauen. Ich habe mich während der gesamte Reise von Marrakesch über den Hohen Atlas bis in die Wüste und zurück super betreut und sicher aufgehoben gefühlt.

5. Eine wieder erneuerte Routine: das frühe Aufstehen, regelmäßige Morgenpraxis und die Erkenntnis, dass eine Mischung aus Yin- & Power Yoga und Crossfit einfach das beste für mich und meine Gesundheit ist. Das kann ich nur weiter empfehlen.


Wie oft unterrichtest du Yoga-Retreats?

Ich habe keine feste Anzahl, das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich – du weißt ja, „go with the flow und so“ (lacht). Im Ernst: letztes Jahr habe ich zwei Retreats unterrichtet, dieses Jahr vier. Ende Oktober geht’s wieder mit NOSADE nach Marokko zum Yoga-Surf Retreat, darauf freue ich mich besonders.

Verrate uns zum Schluss etwas, was uns sicher überrascht ;)

Ganz ehrlich: ich war als Teilnehmer noch nie auf einem Retreat.

Welchen Rat möchtest du uns und unseren Lesern mit auf den Weg in jeden neuen Tag geben?

Wertschätzung und Dankbarkeit für das, was wir hier haben, die Menschen, die uns umgeben und wie wir hier in Deutschland leben können, wie viele Möglichkeiten uns das Leben gibt.Denn ich begreife meine Arbeit auch als Karma & Bhakti-Yoga, das läuft natürlich im Hintergrund, ist jedoch mein Motor immer etwas mehr zu geben, als ich eigentlich müsste. Ich bin sehr Gott verbunden und sehr dankbar. Dankbarkeit ist für mich eine Antriebsfeder, die mir immer wieder hilft, vorwärts zu gehen, Dinge anzustoßen und Projekte weiterzuverfolgen.

Und noch einen Hinweis möchte ich geben: Aus eigener Erfahrung und auch aus dem Berichten von anderen Yogis, die nach einer Unterbrechung der Yoga Praxis nur schwer wieder zurück auf die Matte finden: Lasst euch von destruktiven Gedanken nicht entmutigen. Gelebte Yogapraxis ist auch, immer wieder neu anzufangen. Der normale Gedankengang nach längerer Yoga-Abstinenz ist: Oh Gott, wie sehr habe ich Yoga vermisst! 


Danke, Victor, für das Interview und für Deine Unterstützung. Danke für Deine so erfrischende Lockerheit und Deinen zauberhaften Humor, mit dem Du uns beschenkst - auf unseren Reisen und als Yogalehrer

Wir freuen uns auf die Reise mit Dir und einer tollen Gruppe vom 25. Oktober - 1. November 2016. Hier gibts alle Infos zur Reise: http://nosade.com/de/surf-yoga-retreat-marokko-oktober/

© Katrin Witt & Victor Thiele für NOSADE 2016

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